Checkliste für den Wohnmobilkauf: Darauf müssen Sie achten

Gesucht, gefunden? Dem Kauf des Wohnmobils steht nichts mehr im Wege? Nicht so schnell! Angaben machen kann jeder, doch diese gilt es auch zu überprüfen. Bevor Sie den Kauf abschließen, sollten Sie Ihr Reisemobil in jedem Fall besichtigen. Denn die Besichtigung gibt Aufschluss über den tatsächlichen Ist-Zustand des Campers und vermeidet böse Überraschungen. Ganz nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ sollten Sie bei der Besichtigung ganz genau hinsehen. Worauf es ankommt und was Sie dabei alles beachten müssen- wir haben Ihnen die wichtigsten Tipps für eine erfolgreiche Besichtigung zusammengestellt.

Die Vorbereitung
Was vor der Besichtigung wichtig ist

Um die Funktionalität der Austattung des Wohnmobils einwandfrei überprüfen zu können, bitten Sie den Verkäufer noch vor der Besichtigung, dass sowohl Gas, Wasser als auch Benzin am Besichtigungstag zur Verfügung stehen. Nur so können Sie Gasgeräte und Wassersysteme testen und den Camper Probe fahren. Außerdem sollten Heizung und Kühlschrank mindestens 12 Stunden vor der Besichtigung angestellt werden, damit eine verlässliche Funktionalität gewährleistet werden kann. Viele Geräte funktionieren beim erstmaligen Anstellen oft problemlos, mögliche Störungen zeigen sich aber erst nach einer gewissen Zeit.

Für die Besichtigung sollten Sie definitiv mehr als zehn Minuten einplanen. Vereinbaren Sie daher im besten Fall einen Termin am Wochenende. So können Sie den Camper in Ruhe und ohne Zeitdruck inspizieren. Machen Sie sich bei der Besichtigung Notizen und halten Sie jegliche Informationen schriftlich fest, die bei der Besichtigung mit dem Verkäufer besprochen werden. Wir empfehlen, optische Mängel zusätzlich fotografisch zu dokumentieren.

Die Besichtigung von Innen

Feuchtigkeit: Untersuchen Sie Staukästen, Unterschränke, Ecken, Winkel und die Wände rund um Fenster und Durchbrüche. Muffiger Geruch, sich lösende und wellige Oberflächen sowie weiche Stellen am Boden und an den Wänden deuten auf Feuchtigkeit oder Schimmel hin. Mit einem Messgerät können Sie auch in tieferen Schichten Nässe überprüfen. Achten Sie außerdem auf eine korrekte Abdichtung der Dusche.

Möbel: Überprüfen Sie Geruch, Qualität und den Gesamtzustand von Polstern & Matratzen – auch von unten, um Stockflecken zu erkennen. Fenster, Türen, Schubladen und Dachluken sollten fest schließen – überprüfen Sie dabei auch die einzelnen Griffe. Schlösser und Scharniere sollten frei von Rost und funktionstüchtig sein. Kontrollieren Sie Fliegengitter auf Löcher und Rollos & Jalousien auf Schimmel und Funktionstüchtigkeit. Lassen sich Sitzgruppen und Betten einwandfrei umbauen? Sind alle Polster vorhanden und wo befindet sich die Leiter zum Alkoven? Funktioniert das Hubbett? Stellen Sie sicher, dass der Gesamtzustand der Inneneinrichtung angemessen zum Alter des Wohnmobils ist.

Wassersystem: Ein Probewasserlauf gibt Aufschluss über verdreckte Leitungen und die Dichtigkeit von Pumpe, Warmwasserboiler, Abflüssen sowie dem WC-Zufluss. Erzeugt die Wasserpumpe einen brauchbaren Druck?

Cockpit: Funktionieren alle Kontrolllämpchen? Achten Sie außerdem auf den Verschleiß von Sitzen, Gurten, Lenkrad, Schaltknüppel und Pedalen. Passt der Kilometerstand zum Zustand des Fahrersitzes?

Die Besichtigung von Außen

Außenwand & Verkleidung: Sind Risse, Kratzer oder Lackschäden vorhanden? Dellen, die sich nach außen beulen, deuten auf Feuchtigkeit hin.

Außenklappen: Kontrollieren Sie Zugänge & Spaltmaße zu Gasfach, Frisch- und Abwassertank sowie zur Heckgarage und Motorraum.

Unterboden & Rahmen: Untersuchen Sie das Fahrzeug auf Roststellen. Vergessen Sie nicht, auch einen Blick unter das Wohnmobil zu werfen und den Unterboden durch Klopfen zu überprüfen. So lassen sich marode Stellen ausfindig machen.

Dach: Überprüfen Sie das Dach auf Moosbewachsung und eventuelle Hagelschäden. Checken Sie auch die Gummidichtung an Dachfenstern und -luken.

Motorraum: Der Motorraum sollte sauber, gepflegt und trocken sein. Überprüfen Sie Keilriemen, Kühler, Kabel, Schläuche, Stoßdämpfer und Behälter. Schäden und Feuchtigkeit deuten auf evtl. Marderbisse und undichte Stellen hin.

Elektronik: Überprüfen Sie die gesamte Elektrik des Wohnmobils. Funktionieren Blinker, Rücklichter, Scheibenwischer, Herd, Kühlschrank, Lampen, Wasserpumpen, Ladegeräte und Steckdosen? Wie sieht es mit TV-/Sat- und Solaranlage, der Rückfahrkamera und zusätzlichen Extras aus? Lassen Sie sich in jedem Fall den Sicherungskasten zeigen. Überprüfen Sie außerdem den Säurestand & das Alter der Batterie(n). Eine volle Batterie zeigt ca. 13 Volt an und sollte unter Last nicht innerhalb kürzester Zeit unter 12,8 Volt liegen.

Gas: Kontrollieren Sie sämtliche Gasgeräte auf ihre Funktionalität.

Reifen: Überprüfen Sie die DOT Nummer auf den Reifen. Diese sollten nicht älter als sechs Jahre sein. Messen die Reifen außerdem die gesetzlich vorgeschriebene Profiltiefe? Ist die Abnutzung gleichmäßig oder einseitig? Welche Art von Reifen sind vorhanden? Sind Ersatzräder vorhanden?

Markise: Fahren Sie die Markise aus, um zu überprüfen, ob die Kurbel dabei ist. Kontrollieren Sie die Markise weiterhin auf eventuelle Sturmschäden oder Schimmel. Die Halterungen und Stangen sollten nicht verbogen, die Markise sauber, trocken und ohne Löcher oder Risse sein.

Auspuff: Sitzt dieser fest oder klappert er stark?

Die Probefahrt
Darauf sollten Sie achten

Zu einer erfolgreichen Besichtigung gehört natürlich auch eine Probefahrt. Nur so lassen sich ungewöhnliche Geräusche oder Leistungsmängel überhaupt feststellen. Dabei gilt es folgendes zu beachten:

  • Wie schaltet sich das Getriebe? Schleift die Kupplung beim Anfahren?
  • Zieht der Wagen beim Fahren oder Bremsen in eine bestimmte Richtung?
  • Unbedingt einen Bremstest machen, um das ABS zu kontrollieren!
  • Fahrwerk & Lenkrad kontrollieren: Treten Poltergeräusche auf und wie verhält sich das Lenkradspiel?
  • Abgase checken nicht vergessen! Bei weißem Qualm verbrennt der Motor Wasser, dies lässt auf eine defekte Zylinderkopfdichtung schließen. Bei schwarzem oder bläulichem Qualm sind vermutlich Kolbenringe oder Ventilsitzringe defekt und der Motor verbrennt zu viel Öl.
Die Unterlagen
Dokumente und Papiere kontrollieren

Das Wohnmobil hat Sie überzeugt und Sie haben sich zum Kauf entschlossen? Dann sollten Sie im letzten Schritt alle Dokumente und Unterlagen zum Camper überprüfen. Dabei sind nicht nur Fahrzeugbrief und – schein wichtig. Beide Teile der Zulassung, TÜV-Berichte sowie das Gasprüfungs-Heft müssen bei einem Kauf mit übergeben werden, sonst entsteht schnell ein Problem bei der Bedienung oder später bei der Wartung oder der Ersatzteilbeschaffung. Überprüfen Sie also, ob alle Unterlagen vollständig und ob alle gemachten Angaben zum Wohnmobil korrekt sind.

  • Ist das Wohnmobil scheckheft-gepflegt, d. h., wurden alle vorgeschriebenen Wartungen durchgeführt? Sollte dies nicht der Fall sein, müssen Sie womöglich mit Reparaturen rechnen, die für Sie zusätzliche Kosten bedeuten.
  • Wann war die letzte Hauptuntersuchung bzw. wann steht die nächste an?
  • Überprüfen Sie, ob die Kilometerangaben mit den Einträgen im Scheckheft übereinstimmen und ob alle Sonder-, An- und Umbauten eingetragen sind.
  • Wann war die letzte Gasprüfung? Gibt es entsprechende Bescheinigungen oder Rechnungen?
  • Hat das Reisemobil eine Umweltplakette?
  • Entspricht die Fahrgestellnummer den Fahrzeugpapieren?
  • Sind alle Garantieunterlagen und Bedienungsanleitungen vorhanden?
  • Wann ist der nächste Zahnriemenwechsel fällig?

Fehlende Unterlagen sollte Ihnen der Verkäufer unbedingt nachreichen, sodass später keine versicherungs- oder wartungstechnischen Probleme auftreten. Den Kauf sollten Sie in jedem Fall in einem schriftlichen Kaufvertrag festhalten. Beim ADAC (Deutschland) können Sie sich z. B. eine Standard-Kaufvertrag herunterladen.

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