Export nach Osteuropa

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Ungeachtet der aktuellen politischen Situation bleibt Russland der wichtigste Lkw-Markt für den Export nach Osteuropa. Und das, obwohl dort der Handel mit Neu- und Gebrauchtfahrzeugen in den vergangenen Monaten erheblich erschwert wurde. Zum einen durch Strafzölle, zum anderen durch die eingeführte „Abwrackgebühr“.

Russland: Abwrackgebühr soll heimische Lkw-Produzenten schützen

Zum Verständnis: Seit 2012 ist Russland Mitglied der Welthandelsorganisation WTO, was unter anderem zu niedrigeren Importzöllen führen sollte. Zwar senkte Russland tatsächlich die Zölle für viele Waren, beispielsweise auch für Neufahrzeuge. Bei Gebrauchtfahrzeugen sanken die Zölle für drei bis sieben Jahre Lkw auf 15 Prozent, 2015 sinkt der Zollsatz auf zehn Prozent. Für Lkw, die älter als sieben Jahre sind, wurde der Zollsatz ebenfalls verringert: von 4,40 Euro auf 1,00 Euro pro Kubikzentimeter Hubraum. Um jedoch die heimische Fahrzeugindustrie zu schützen, führte Russland kurz nach dem WTO-Beitritt eine sogenannte Recycling- oder Abwrackgebühr für importierte Fahrzeuge ein. Wer also neue oder gebrauchte Lkw nach Russland importieren möchte, zahlt nun zwar geringere Zollgebühren, aber eine zusätzliche Recycling-Gebühr, die mehrere tausend Euro betragen kann. Der Import von Fahrzeugen nach Russland ist nach Einführung der Gebühr spürbar zurückgegangen: Im ersten Halbjahr 2013 wurden rund ein Drittel weniger schwere Lkw nach Russland exportiert – kein Wunder, bei zusätzlichen Gebühren von bis zu 15.000 Euro pro Neufahrzeug.

Immer mehr deutsche Nutzfahrzeughersteller- und Zulieferer setzen daher auf Produktion vor Ort. So eröffnete MAN vor wenigen Monaten einen Produktionsstandort in Sankt Petersburg. Seit Juli 2013 läuft in Nishni Nowgorod der Mercedes Sprinter T1N vom Band des russischen Kooperationspartners GAZ. Damit umgeht Mercedes den hohen Zollsatz von 29,6 Prozent, den Russland kurzerhand auf Fahrzeuge mit Dieselmotor und einem Gesamtgewicht zwischen 2,8 und 3,5 Tonnen erhoben hat. Durch diesen sehr hohen Zollsatz ist der Handel mit gebrauchten Transportern fast vollständig zum erliegen gekommen.

Russland: Trucks aus Deutschland sind beliebt auf dem Lkw-Markt

Grundsätzlich sind Lkw aus deutscher Produktion aber sehr beliebt, das gilt auch für Gebrauchtfahrzeuge: „Das Label ‚Made in Germany‘ steht bei russischen Kunden für Qualität. Russen kaufen gerne gebrauchte Lkw aus Deutschland, weil besonders Fahrzeuge aus Deutschland und Österreich meist in gutem Zustand sind und regelmäßig gewartet wurden“, so Nikolay Kozin, Chef  von MAN TopUsed Trucks Russland.

Laut Kozin verlangen russische Kunden vor allem nach mittelschweren und schweren Lkw. Kippsattelauflieger, Kühlauflieger sowie für bestimmte Waren auch Planenauflieger werden am häufigsten nachgefragt. Für den Fernverkehr bevorzugen russische Kunden Lkw mit mehr als 400 PS; auch beheizbare Kraftstofffilter sind „nice to have“, aber nicht Bedingung. „So etwas kann man hier auch nachrüsten lassen“, sagt der Experte von MAN TopUsed Trucks Russland. Gut isolierte XL-Fahrerhäuser mit Standheizung und zwei Betten sind ebenfalls gern gesehene Eigenschaften.

Währungsschwankungen machen Probleme

Grundsätzlich sei die Nachfrage nach gebrauchten Lkw derzeit eher gering. Grund dafür sind die starken Währungsschwankungen des Rubel, die Importe nach Russland innerhalb weniger Wochen deutlich teurer machen können.

Mit der Umstellung auf Euro 6 in Deutschland zum Januar 2014 haben offenbar auch viele russische Kunden auf ausgemusterte deutsche Lkw gehofft – das legen die Suchstatistiken von TruckScout24 nahe. So stiegen die Suchanfragen aus Russland von September bis Dezember 2013 um mehr als 40 Prozent an. Im Januar, Februar und März hingegen hat die Nachfrage wieder etwas nachgelassen.

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