Winterdienstgeräte

Winterdienstgeräte
Foto: Lindner

Seit jeher kommen für die Schneeräumung unterschiedliche Techniken in Frage. Liegt der Schnee locker und in geringer Menge, reichen Schneeschieber, Besen, Handschaufel und -streuer aus. Liegt die weisse Pracht aber dicht und schwer, oder gibt es grössere Flächen zu räumen, sind Einsätze mit Hilfe von Maschinen gefragt: Schneepflüge, Schneefräsen und Streugeräte.

Wenn der erste Schnee gefallen ist, kommen alle möglichen Arten von Schneeräumgeräten zum Einsatz. Das waren noch Zeiten, als man zur Schneeräumung Pferde oder Ochsen vor einfache Keilpflüge aus Holz spannte und diese dann – hüsch und hott – durch die Strassen trieb. Auch wenn sich am System „Pflug“ nicht viel geändert hat – vielleicht bis auf die Tatsache, dass er vor allem geschoben und nicht mehr gezogen wird – sind Schneepflüge heutzutage High-tech-Produkte aus Stahl und Kunststoffen, in denen viel Erfahrung ihrer Hersteller steckt und die an allerlei Fahrzeuge oder Geräteträger angebaut werden.

Breitere Strassen verlangen nach Schneepflügen mit gerader Schare, die nach links oder rechts geschwenkt und dann in verschiedenen Positionen arretiert werden können, je nachdem wohin der geräumte Schnee abgelegt werden soll. Damit das mit möglichst wenig Kraftanstrengung geschehen kann, ist die Schare in ihrer Höhe gewölbt. Ihr unterer Teil, die Schürfleiste, liegt praktisch auf der Strasse und ist deswegen aus äusserst widerstandsfähigen Materialien wie Stahl, Korund oder Gummi gefertigt und ein einfach austauschbares Verschleissteil. Damit der Schneepflug selber oder auch der zu reinigende Untergrund nicht beschädigt wird – so ein Anbaugerät kann tonnenschwer sein – ist die Schürfleiste meist kippbar gelagert und der ganze Pflug stützt sich auf Räder oder Kufen. Für den problemlosen Transport kann er hydraulisch angehoben und gesenkt werden.

Der Schneepflug wird normalerweise über eine spezielle Anbauplatte vorne an einen Lastwagen, an kommunale Geräteträger aller Grössen oder auch an einen Traktor montiert. Dass Pflüge und Fahrzeuge nicht beliebig untereinander getauscht und gewechselt werden können, liegt auf der Hand. Zu verschieden sind die Eigenschaften des Pfluges und seine technischen Anforderungen an das Trägerfahrzeug.

Grössenordnungen

Grundsätzlich stellt sich vor der Beschaffung eines Schneepfluges die Frage nach dem vorhandenen Maschinen- oder Fahrzeugpark. Für Kompakttraktoren bis 30 PS oder Einachstraktoren eignen sich beispielsweise gefederte oder ungefederte einscharige Pflüge bis zu 150 cm Breite und 100 kg Gewicht. Mit ihrem Schwenkwinkel von 35° bieten sie die ideale Räumbreite für Gehsteige, schmale Strassen oder kleinere Areale. Steht ein kleinerer Geräteträger, ein Kompaktlader oder ein robuster 4×4 mit Chassis und Reduktionsgetriebe zur Verfügung, darf der Pflug auch 220 bis 240 cm breit und bis zu 300 kg schwer sein. Grössere Pflüge mit geteilten Pflugscharen und Scharen ab 240 cm sind für schwerere Kommunalfahrzeuge wie Geräteträger, Traktoren oder Lastwagen gedacht. Sie wiegen bis zu 2000 kg und schreien nach viel Drehmoment und Kraft.

Viel wirkungsvoller als Schneepflüge sind Schneefräsen. Sie transportieren die auf dem Boden liegenden Schneemassen über in grossen Trommeln schneckenförmig angebrachte Lamellen zum Auswerfer und ins Gelände oder nach hinten in einen mitgeführten Anhänger. Der Betrieb einer Anbauschneefräse, es gibt Modelle von 60 bis über 300 cm Arbeitsbreite, bedingt am Fahrzeugmotor einen Abtrieb (Zapfwelle) nach vorne oder aber einen hydrostatischen Antrieb des Trägerfahrzeuges – die Rede ist hier also von ein- oder mehrachsigen Geräteträgern, Transportern oder Traktoren mit Kriechgang und viel Kraft. Für die ganz groben Einsätze, beispielsweise auf Passstrassen usw. sind selbstfahrende Schneefräsen mit höchsten Räumleistungen und entsprechender Motorisierung gefragt.

Ein wichtiges Kriterium für die Beschaffung eines neuen Winterdienstgerätes ist der Zeitpunkt. Die Lager der Hersteller sind während dem ersten heftigen Schneefall nicht zwingend prall gefüllt; im Gegenteil, da gibt es jedes Jahr wieder Wartelisten und damit Kolonnen, in denen man sich hinten anstellen muss. Idealerweise denkt man bereits im Frühling über den im nächsten Winter zu ersetzenden Schneepflug nach und sucht dann das beinahe unabdingbare Gespräch mit den richtigen Fachpersonen.

 
Heinz Ammann
Freier Journalist SMJ